Al Gaddafi spricht - Der Bruder Revolutionsführer hält eine Rede vor Studenten der Oxford Universität über das Afrika des 21. Jahrhunderts
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16.05.2007 - Ich wünsche allen Anwesenden einen „Guten Abend“. Ich danke den Organisatoren für dieses Treffen mit den Fakultätsstudenten und dem Studentenwerk der Universität von Oxford.

Es ist meine Hoffnung, dass wir hieran anknüpfen werden und uns von Zeit zu Zeit treffen, um über die sozialen, ökonomischen und politischen Krisen und Herausforderungen nachzudenken, die in der heutigen Zeit die ganze Welt betreffen.
Sie haben mich darum gebeten auf die Fragestellung „Afrika im 21. Jahrhundert“ einzugehen.

Ich hoffe dass das, was ich im Folgenden ausführen werde, nicht nur den Afrikanern und den Studenten von Oxford von Nutzen sein wird, sondern dass es für die ganze Welt von Wert sein möge.

Während der vergangenen Ära des sogenannten Kalten Krieges konkurrierten die Großmächte und Machtblöcke miteinander um Afrika, -namentlich die USA, UdSSR, der Ostblock, die Westlichen Staaten, NATO und der Warschauer Pakt. Dieser Konflikt und der Wettstreit der Systeme hatte sehr negative und schädliche Auswirkungen auf Afrika und die ganzen Welt.
Afrika wurde durch diesen Konflikt schwer erschüttert.

Es wurde zu einer Arena des ideologischen Kampfes. Der Konkurrenzkampf um militärischen und politischen Einfluss zwischen den USA und den UdSSR formten den Kontinent.

Ebenso wie die Rivalität zwischen denjenigen, die die Reichtümer Afrikas monopolisieren wollten, und sich somit der größten Anzahl von Lakaien und Verbündeten versichern wollten. Der Kampf zwischen Ost und West war wahrlich ein Erbitterlicher.

Die begehrten Preise waren Afrikas Rohmaterialien sowie die afrikanischen Länder als Alliierte in internationalen Foren zu gewinnen.

Wir waren die Opfer dieses Kampfes. Und auch die restliche Welt hat keinen Nutzen davon gehabt. Alles was dabei herauskam, ist die Erschaffung eines weiteren Schlachtfeldes.

Anfänglich wurde dieser Konflikt in und zwischen Ost- und Westeuropa geführt. Dann wurde er auf Afrika ausgeweitet.

Afrika war in Staaten aufgeteilt, die entweder mit dem östlichen oder dem westlichen Block paktierten. So wie dieser Konflikt die Energien der Großmächte auslaugte, so hat er auch Afrika total erschöpft.

USA und die UdSSR haben beide enorme Ressourcen verschleudert um den größtmöglichen Teil Afrikas dominieren zu können. Dies hat sich sehr negativ auf den Weltfrieden, - Stabilität, - Sicherheit und die - Ökonomie ausgewirkt. Revolutionen, Kriege und Kämpfe brachen aus. Es wurden Gewaltakte, Meuchelmorde und Hinrichtungen begangen. Wenngleich auch nicht im selben Maße so geschahen ähnliche Gräueltaten auch in Europa aufgrund von Konflikten, dem kalten Krieg und durchaus auch mal heißen Kriegen.

Der Konflikt beherrschte Europa genauso wie Afrika, im Besonderen Nordafrika und, um ganz genau zu sein, den Ort, an dem wir uns gerade befinden.

Ich meine, dass wenn ein Kontinent wie Afrika oder Europa sich selbst wieder als Schauplatz eines heißen oder kalten Krieges zwischen zwei Großmächten wiederfindet, wird eine solche Situation natürlich negative Auswirkungen haben - regionale sowie globale. Es ist darum mein sehnlichster Wunsch, dass die Welt durch diese Versammlung die notwendigen Lehren aus den vorangegangenen Erfahrungen ziehen wird.

Ich hoffe auch, dass die Welt von solchen Methoden ablässt.

Europa war über lange Zeit geteilt. Es gab eine militärische Konfrontation zwischen den östlichen und westlichen Teilen Europas. Man kann heute sagen, Europa wurde vereinigt. Diese Einheit ist ein Faktor der zu einer großen politischen, ökonomischen, und psychologischen Stabilität beisteuerte. Heutzutage agiert Europa als Pufferzone zwischen der Russischen Föderation und den USA. Es muss gewaltfrei und vereinigt bleiben und eine Zone des „getrennt von einander halten“ zu bleiben anstatt einer Konfrontationszone.

Nun komme ich zurück auf Afrika, unserem Hauptthema. Afrika hat sich von dem Konflikt, der den Kontinent während des kalten Krieges quälte, freigemacht. Ausgesprochen bedauerlich ist jedoch, dass die Anzeichen eines neuen Kampfes um Afrika deutlich sichtbar geworden sind.

Dies könnte uns wieder zu den Tragödien der Vergangenheit zurückführen. Was augenblicklich geschieht, ist das Aufflackern eines Konfliktes zwischen China und USA um die Vorherrschaft in Afrika. Es ist meine Pflicht der Erste zu sein, der gegen diese Bedrohung Alarm schlägt.

Dieses Thema wird sehr furchtsam und zögernd behandelt. Es ist so, als ob jemand an einer Krankheit leidet, jedoch beschließt sie so lange zu ignorieren bis es zu spät ist. Ich wünsche nicht, dass die Wahrheit den Menschen Afrikas oder der Welt verschwiegen wird. Ein neuer Konflikt keimt in Afrika auf.

Dieser wird Afrika wieder dahin zurückwerfen als Arena für den Wettstreit zwischen den Großmächten zu fungieren.

Dieser Konflikt wird höchstwahrscheinlich sämtliche Energien seiner Hauptprotagonisten aufsaugen; die der USA und Chinas.

Lassen Sie mich Ihnen die Haltung der beiden Länder deutlicher erklären. Amerika zeigt ein grobes, ungehobeltes Verhalten gegenüber Afrika. Es installiert Militärbasen und ein amerikanisches Militärkommando in Afrika. Es mischt sich schwerwiegend in die inneren Angelegenheiten Afrikas ein.

Die Menschenrechte, die in den USA selbst nicht sonderlich beachtet werden, werden jedoch als Vorwand benutzt um in Afrika einzudringen und Druck auszuüben. Amerika fordert Menschenrechte und Demokratie, wohlwissend, dass Demokratie weder in Amerika selbst noch anderswo existiert.

Es spricht von verantwortungsbewusster Regierungsführung, obwohl es in Wirklichkeit eine solche Sache nicht gibt. Es mischt sich in jeden einzelnen Aspekt der Afrikanischen inneren Angelegenheiten ein. Wenn ein Lakai Amerikas oder ein CIA-Agent überprüft oder verhört wird, verlangt Amerika jedes Detail zu erfahren; wo diese Person inhaftiert wurde, was mit ihr geschehen ist und warum? Gibt es irgendein Land auf dieser Welt, dem es möglich ist, unter ähnlichen Umständen solche Auskünfte von Amerika über einen seiner Bürger zu erfahren?

Natürlich nicht. Wie kann sich dann Amerika so ein Recht anmaßen? Dies ist die rüde Annäherung Amerikas an Afrika.

China und die USA sind Konkurrenten. Beide wünschen sich, Afrika zu kolonisieren und von seinem Reichtum zu profitieren. China folgt einem sanften Annäherungsansatz. China belehrt die afrikanischen Länder nicht in Bezug auf Regierungssysteme, Menschenrechte, Meinungsfreiheit, verantwortungsbewusster Regierungsführung oder dergleichen. China mischt sich nie in innere Angelegenheiten anderer Staaten ein. Es bringt keine Soldaten, Militärbasen oder Militärkommandos nach Afrika hinein.
Mehr als 600 chinesische Unternehmen sind in Afrika mit großen Engagement tätig. Einige Chinesischen Gemeinden haben begonnen, sich in Afrika anzusiedeln. Dies ist die milde Herangehensweise Chinas.

Aufgrund dieses sanften Ansatzes empfangen die Afrikaner China mit offenen Armen. Dies wird zweifellos für China von Vorteil sein. Afrikaner sind im Umgang mit den USA misstrauisch wegen deren harschen Ansatzes. Es ist Beweis für die Torheit amerikanischer Politik. Die USA sind ungebildet und unwissend bezüglich der restlichen Welt. Sie verhalten sich meist töricht und unberechenbar.

Das war in der Vergangenheit der Fall in Vietnam und Somalia, und wie es die augenblickliche Lage im Irak beweist, verhält Amerika sich erneut töricht und unberechenbar. Wie immer weiß es nicht viel über die Region, über welche es entschieden hat, einen Krieg gegen sie zu führen. Und darum scheitert es immer. Es scheint, als ob sich China des psychologisch richtigen Weges bewusst ist, wie man Afrika erreichen kann. Es kam auf friedliche Weise herein. Es hat sich friedlich etabliert. China wird in Afrika gewinnen.

Dies ist die alarmierende Tatsache die ich klar und deutlich darlegen möchte. Niemand redet darüber. Manche glauben wir sollten China auf unsere Seite bringen gegen den amerikanischen Goliath. Es gibt den Kolonialismus, der sich mit Gewalt aufdrängt, und es gibt den anderen, der freundlichere Methoden benutzt. Es gibt sanften und groben Kolonialismus. Aber letztendlich ist dieser Kolonialismus ein und dasselbe.

Wie ich bereits sagte, gibt es manche, die China mit offenen Armen empfangen. Wir alle suchen nach einem Abschreckungsmittel gegen das harsche Verhalten Amerikas. Das hat uns bewogen, Chinas Seite einzunehmen. Aber China muss wissen dass wir uns bewusst drüber sind, dass es sich als eine imperialistische Macht herausstellen könnte. Wenn es sich in Afrika niederlassen möchte oder die Rohmittelvorkommen Afrikas zu Schleuderpreisen plündert und dann seine Fertigprodukte zu Hochpreisen verkauft, wird es zu einer Kolonialmacht werden.

Es gibt einige wenige in Afrika die sich den USA zuwenden. Aber wenn es ein Referendum geben würde, würde China gewinnen. Die Mehrheit hat Angst vor Amerika. Im Hinblick auf vorheriges Verhalten an anderen Orten dieser Welt, sind die Menschen misstrauisch, dass Amerika seine Militärpräsenz und groben Interventionen in die inneren Angelegenheiten anderer Länder noch ausweiten könnte.

Die USA-China Rivalität ist eine der Streitfragen denen wir zurzeit gegenüberstehen. Eine andere ist die der Afrikanischen Union. Wenn Afrika es erreichen könnte, sich wie Europa zu vereinigen, würde sich das zum Vorteil für die Afrikanischen Menschen und der ganzen Welt auswirken.

Die Tatsache, dass Europa nicht mehr das getrennte Konfrontations- und Konfliktsgebiet zwischen zwei entgegengesetzten Blöcken ist, und nicht mehr das Pulverfass, das jeden Moment explodieren kann, hat Europa, deren Einwohner und der ganzen Welt gut getan. Ich bin mir dessen bewusst, dass die US-Armee, die Europa im Zweiten Weltkrieg eingenommen hat, noch immer da ist. Dies ist eine Bedrohung des Friedens in Europa, des Mittelmeerraumes und in der ganzen Welt. Ich hoffe, dieser Zustand wird vorübergehen. Es ist jedoch ein Europäisches Besorgnis.

Europa ist zurzeit ein politischer und ökonomischer Zugewinn, für sich selbst und für die ganze Welt. Das vereinte Europa mit seiner gemeinsamen Währung und Politik ist ein stabilisierender Faktor in der Welt. Wir würden das gleiche gern in Afrika sehen. Eine gemeinsame Währung, eine einzige Zentralbank und eine gemeinsame Sicherheitspolitik. Der gemeinsame afrikanische Markt mit vereinten Einfuhr- und Ausfuhrbestimmungen würde die Weltwirtschaft in Schwung bringen.

Augenblicklich gibt es 50 Staaten und jeder davon hat seine eigene Währung, Zentralbank und individuelles Wirtschaftssystem. Dies macht uns so unbedeutend. Was ist der gemeinsame Wert der Ökonomien von Malawi und Guinea-Bissau im Vergleich zu den großen Blöcken? Warum sollten Giganten wie die EU, USA, China oder Japan Zeit daran verschwenden mit einer Delegation aus Gambia zu verhandeln, welche zehn Autos kaufen möchte?

Wenn aber ein Vertreter des gemeinsamen afrikanischen Marktes daherkommen würde und ein Einfuhrangebot von einer halben Million Autos anfordern würde, wäre die Situation eine völlig andere. Dies wäre ein Verhandlungspartner, der diese Zeit verdient - angesichts des in Aussicht gestellten Geschäftsvolumens. Wer wird kostbare Zeit darauf verwenden, ein Geschäft mit Gambia, Madagaskar, Malawi, Guinea-Bissau oder sogar Libyen mit seinem Ölreichtum zu verhandeln?

Es ist Zeitverschwendung für jedermann, mit solchen winzigen Ökonomien zu verhandeln oder in Geschäftsverbindung zu treten. Die Fragmentierung Afrikas nützt der Weltwirtschaft und den großen Märkten nicht. Stellen Sie sich nur einmal vor, eine dieser großen Ökonomien würde mit dem Afrikanischen Außenhandelsminister verhandeln. Dies würde für die Weltwirtschaft von weit größerem Nutzen sein, schon im Hinblick auf die bloße Größe eines gemeinsamen afrikanischen Marktes und seiner Bedürfnisse.

Ich hoffe, dass die Major Players und die ganze Welt diesen Gedankengang verstehen werden. Ich hoffe sehr, dass sie Afrika seinem Bemühen um Einheit und Gründung der Vereinigten Staaten von Afrika unterstützen werden. Dies wird zum Weltfrieden, zu Sicherheit und Stabilität beitragen. Es würde riesige Vorteile für die Weltwirtschaft und für China und Amerika bringen.

Wir begrüßen Chinesische, Amerikanische, Europäische und Japanische Wirtschaftsunternehmen. Allerdings dürfen sie sich auf unserem Land nicht niederlassen oder versuchen, es zu kolonisieren. Weder dürfen sie uns terrorisieren, erpressen oder ausbeuten, das werden wir nie wieder akzeptieren. Wir Afrikaner sind anders in der heutigen Zeit. Wir haben Weltklassewissenschaftler und - Fachleute. Wir können nicht mehr mit den kleinen Tricks die man mit uns in der Vergangenheit gespielt hat betrogen werden

Astronomische Summen werden auf die Herstellung von Massenvernichtungs- waffen, Interkontinentalraketen, Atomwaffen und Flugzeugträger verschwendet.

Ebenso irrwitzige Beträge werden an Militärbasen und Armeen verschleudert. Stellen Sie sich einmal vor, dass diejenigen die sich solche teuflischen Ausgaben leisten können, uns in Afrika ein Teil davon zukommen lassen würden. Stellen Sie sich weiter vor, Amerika, Europa, Japan und China würden mit uns zusammenarbeiten um den Angadamm im Kongo zu bauen.

Es würde genug Elektrizität erzeugt werden können, um das ganze Dunkel von Afrika zu erleuchten. Und der große Überschuss würde durch Nordafrika nach Europa exportiert werden, durch Ägypten nach Asien. Warum können sie uns nicht ein paar Billionen zuteilen und uns helfen, dieses nützliche humanitäre Werk zu vollenden?

Wäre das nicht besser, als Militärbasen und Armeen? Wäre es nicht besser als das Reden über Menschenrechte und verantwortungsbewusste Regierungsführung und was weiß ich noch? Was sind denn verantwortungsbewusste Regierungsführung und Meinungsfreiheit? Wir haben noch nicht einmal Papier um Zeitungen zu drucken, in denen wir unserer Meinung Ausdruck verschaffen könnten. Wir haben keine Rundfunksender um unsere Ansichten zu senden.

Wir drücken uns aus indem wir vor Schmerz schreien, jammern und heulen. Wir haben nur die Freiheit in der Darstellung von Qual. Ein Beispiel für diese Qual ist was wir aufgrund des Verlustes des Tschadsees fühlen.

Ich habe einen Bericht zum Sachverhalt des Tschadsees auf dem Weltgipfel in Johannesburg vorgelegt. Nur ein Zehntel vom Tschadsee ist noch vorhanden. Neun Zehntel sind verschwunden. Dies ist eine schwerwiegende Umweltkatastrophe für Afrika und die Welt. Warum hilft man uns nicht, diesen See zu retten? Wir könnten Wasser zuführende Kanäle von den Flüssen der Kongo, Zentralafrika und Kamerun neu bauen. Wir könnten Sand und Bäume entfernen , die die bestehenden Zuleitungen versperren. Endergebnis wäre, der Tschadsee würde wieder von diesen Flüssen gespeist. Mein Papier dazu können Sie auf der Webseite www.Algathafispeaks.org finden.

Ich rufe die Weltöffentlichkeit dazu auf, sich uns anzuschließen, um den Tschadsee zu retten und den Angadamm zu erbauen. Auf diesem Wege würden wir Elektrizität erzeugen und eine der Lungen der Welt bewahren. Es gibt zwei Lungen, die der Welt Sauerstoff geben.

Diese sind der Regenwald des Amazonas und die Wälder des Kongo. Dürre, Ausweitung der Wüsten, Missbrauch von Flüssen und die zerstörerischen Konflikte im Kongo haben es uns unmöglich gemacht, diese Lunge zu bewahren, die der ganzen Erde gehört. Ich erneuere meinen Aufruf an die Weltöffentlichkeit, diese zu retten.

Das waren einige der Problemstellungen, auf die ich die Welt aufmerksam machen wollte. Ich danke Ihnen, dass Sie mir die Gelegenheit gegeben haben, einige Fragen aufzubringen, die in Bezug auf Afrika niemand wagt auszusprechen. Wenn jemand weitere Fragen zu anderen Teilen dieser Welt hat, bitte zögern Sie nicht sie zu stellen. Ich habe das Grüne Buch und das Weiße Buch vor mir. Da dies ein Universitätsvortrag ist, werde ich jede Frage von den Studenten der Fakultät der Oxford Universität akzeptieren.

Danke Bruder Revolutionsführer für diese Analyse der Situation auf dem afrikanischen Kontinent. Ich möchte Ihnen nun eine Frage von einem der Studenten verlegen.

Frage: Warum haben Sie Ihre Kräfte nicht genutzt um einige der Konflikte in Afrika zu lösen und zum Beispiel das menschliche Leiden in Somalia und Zimbabwe zu mindern?

Der Revolutionsführer: Danke. Die meisten der UN-Truppen stehen in Afrika. Es gibt so viele Konflikte auf diesem Kontinent, dass wir ungefähr ein Dreiviertel der UN-Truppen beantragt haben um sie beizulegen. Die Hauptschuldigen sind die Kolonialmächte die Afrika zerteilt haben. All diese Konflikte sind Stammeskriege und Grenzunruhen zwischen Sippen die durch den Kolonialismus zergliedert wurden. Afrika war ein Ganzes. Heutzutage leben wir in 50 Staaten mit verwirrenden Grenzziehungen. Diese Grenzen zerteilen eine Sippe auf zwei oder drei Staaten. Nehmen Sie zum Beispiel den Konflikt in der Elfenbeinküste. Nieder- und Obervolta hatten einmal eine Einheit gebildet.

Die Kolonialstaaten haben es in zwei Staaten aufgeteilt; die Elfenbeinküste und Obervolta. Letzteres wurde später in Burkina Faso umbenannt. Die Bevölkerung einer Einheit wurde auf zwei Staaten aufgeteilt. Die Einwohner des nördlichen Teils fanden sich in Schwierigkeiten wieder, wenn sie sich im Süden aufhielten. Die Elfenbeinküste erklärte diesen Menschen, dass sie keine Staatsbürger seien und dass sie nach Burkina Faso gehören. Somit müssen sie dahin zurück, woher sie gekommen sind. Diese Situation hat die Krise noch vertieft, die diesen Teil Afrikas schon seit langem plagt. Die Kolonialgrenzen haben dieses Problem erzeugt.

Der Stammeskonflikt in den Großen Seen ist auch auf Kolonialgrenzen zurückzuführen. Es waren die Kolonialisten die Ruanda, Burundi und Kongo begründet und die Hutu und Tutsi Sippen damit unter sich aufgeteilt haben. Auch diesen Konflikt hat Kolonialismus erzeugt. Ebenso war Kolonialismus die treibende Kraft beim Konflikt in Kongo und der Liquidation von Lumumba. Das Wettrennen um die Rohmaterialien des Kongo war eine koloniale Unternehmung. Und was war die treibende Kraft im Konflikt um die Diamanten und das Uran im Kongo, das für die Herstellung der Atombomben gegen Japan benutzt wurde? Es war Kolonialismus.

Dasselbe gilt für den Konflikt in Somalia. Was hat es in Italienische und Britische Teile aufgeteilt? Es war Kolonialismus. Warum blieb es nicht ein einzelnes vereintes Somalia? Weil die Italiener den Norden besiedelt haben und die Briten sich den Süden nahmen. Die Folgen dieser Situation tragen wir bis heute in uns und wir leben mit ihnen so wie viele andere Probleme in der Welt weiter in uns leben.

Werfen Sie einen Blick auf die Karte von Gambia. Sie entzieht sich jeglicher Logik. Der Fluss Gambia läuft durch das Zentrum von Senegal. Die Briten kamen, besetzten diesen Teil, gründeten einen Staat. Sie brachten den Einwohnern Englisch bei und entließen sie dann in die Unabhängigkeit. Der Senegal, eine vormals französische Kolonie, umgibt Gambia von allen Seiten.
Die Antwort auf die gestellte Frage ist, dass genügend internationale Truppen in Afrika stationiert sind. Wir sind ein Teil der AU. Wenn die AU sich entscheidet, ihre eigenen Truppen zu senden, oder Truppen eines bestimmten Staates an einen bestimmten Ort zu schicken, sind wir bereit, unseren Teil beizutragen. Das Problem ist aber viel größer.

Es genügt nicht, Truppen zu schicken um Frieden wiederherzustellen. Die Lösung benötigt aufrichtigen afrikanischen Eingliederungswillen. Es verlangt die Vernichtung jeglichen Nachlasses des Kolonialismus. Es bedarf der Gründung der Vereinten Staaten von Afrika. Es ist nicht wichtig, ob es sich dabei um fünfzig oder eintausend Staaten handelt. Wichtig ist ein vereintes politisches Bezugssystem. Darin wird die Lösung liegen. Wir tun in diesem Sinne unser Bestes um eine wirklich starke afrikanische Union zu gründen.

Ein weiterer Punkt ist, dass die Einsatztruppen die Finanzierung der UN brauchen. Doch diese verweigert eine Finanzierung, wenn es sich um andere Truppen als ihre eigenen Blauhelme handelt. Die Blauhelme haben einen schlechten Ruf. Länder wie Sudan weigern sich, sie auf ihr Territorium in Darfur zu lassen. Sie sagen, dass die internationalen Truppen den Rahmen ihres Mandats ausdehnen -bzw.

daß er für sie durch Amerika ausgedehnt wird- um Intervention in die inneren Angelegenheiten des Landes einzuschließen. Das ist eine andere Form von Kolonialismus die neue Konflikte erzeugen wird. Die Frage nach dem Senden von Truppen, hierhin oder dorthin, ist eine sehr schwierige Frage.

Frage: Mein Name ist Tarek. Ich bin Tunesier und Student in Oxford. Meine Frage hat mit Wir-Gefühl zu tun und wie man mit Demokratie umgehen sollte. Da scheinen viele Probleme aufzutauchen, Demokratie betreffend sowie die Krise in der Sahara. Ist es nicht höchste Zeit, dass die politischen Führer diese Probleme bewältigen? Wann können wir echte Nationalpläne sehen? Wann werden wir einen gemeinsamen Markt haben? Wie können wir die bürokratischen Hürden in dieser Beziehung bewältigen?

Der Revolutionsführer: Ich bete zu Gott dass die Führer Ihren Ruf hören. Ich persönlich teile diese Hoffnung mit Ihnen. Darum rufe ich auf, die Volkesherrschaft zu begründen. Volkesherrschaft heißt, dass die Menschen sich selbst regieren sollten, ohne Herrscher oder Regler oder Regierung. Es gibt keine Feindschaft oder Gehässigkeit zwischen den Algeriern und den Marokkanern. Sie sind Brüder. Aber es gibt abweichende politische Positionen zwischen ihren Herrschern.

Solange Herrscher noch existieren, werden sie für die politische Situation verantwortlich sein. Wir hoffen die Volkesherrschaft überall in der Welt erschaffen werden würde um echten und dauerhaften Frieden zu sichern. Völker hassen einander nicht und unterwerfen einander nicht. Die Herrscher und die Armeen sind diejenigen die erobern und besetzen. Sie sind es, die den Weltfrieden gefährden.

Wenn jemand von Kriegen und Invasionen spricht hört man sie nicht sagen " die Deutschen oder die Mongolen haben dieses oder jenes Land erobert". Man hört sie von individuellen Herrschern und Führern reden; Hulagu, Timur Lang, Dschingis Khan, Hitler, Napoleon, Mussolini, Bush und anderen. Dies entspricht der Wahrheit. Völker erobern nicht. Die Herrscher die die Armeen kontrollieren, tun es. Ohne Hitler sind die Deutschen friedliche Menschen. Es war Hitler, der gegen Europa und die ganze Welt Krieg geführt hat. Der Lebenslauf Napoleons bedeutet nicht, dass Frankreich ein aggressives Land ist. Es ist jetzt ein friedliebendes Land trotz seiner Geschichte.

Ich meinerseits, hege keinerlei Bewunderung für die so genannten arabischen und moslemischen Triumphe in Europa. Ich betrachte sie als Akte von Kolonialismus. Die Araber hielten Sizilien 300 Jahre lang und die Iberische Halbinsel 800 Jahre lang besetzt. Nachdem sie abzogen, lebten keine Moslems mehr in diesen Gebieten. Wie kann man das als Triumph betrachten. Es war nichts anderes als Invasion und Kolonialismus.

Wer hat diese Invasionen befohlen? Die Herrscher, weil sie um die Kriegsbeute, Reichtümer und Sklavinnen witterten. Heutzutage heißen diese Kriegsbeuten Wahlen gewinnen, eine zweite Amtzeit für einen Präsidenten oder die Kontrolle über das Öl. Dies sind alles individuelle Bestrebungen, die nichts mit den Wünschen der Völker zu tun haben.

Frage: Wäre es Ihrer Ansicht nach für die Afrikanische Union angemessen im Sudan militärisch zu intervenieren ohne zuvor die Zustimmung aller Sudanesen eingeholt zu haben?

Der Revolutionsführer: In Bezug auf diese Darfur betreffende Frage muss ich sagen, dass ich ausgesprochen kühne Meinungen habe, was politische und diplomatische Fragen angeht. Ich gehe vorzugsweise von einem sozialen und psychologischen Standpunkt aus. Ich bin weder Politiker noch Diplomat. Ich bin der Führer einer Revolution und ein Sozialreformer. Ich habe bezüglich der Situation in Darfur große Bemühungen gezeigt. Hunderte von älteren Darfurs, Sultanen und Bürgern kamen zu mir um eine Lösung für dieses Problem zu diskutieren.

Solange es internationale Hilfe in Darfur gibt, wird es Konflikte, Flüchtlinge und Heimatlose geben. Wenn Menschen hören dass sie Nachschub an Reis, Milch und Konserven bekommen, werden sie ihre Dörfer verlassen und in die Flüchtlingslager kommen. Wenn diese Krise uns all dieses Essen bringt, warum sollten wir sie denn lösen?

Wir haben den Hafen von Banghazi für die Lieferung von internationalen Hilfsgüter geöffnet. Angesichts der geographischen Nähe von Darfur zur libyschen Grenze, haben wir uns dafür entschieden zu erlauben, dass die Hilfslieferungen durch unser Hoheitsgebiet transportiert werden. Als Menschen von der Luftbrücke von Hilfsgütern gehörten, fragten sie warum sie den Konflikt stoppen sollten. Manchen wurde gesagt, sie sollten irgendeinen Zusammenstoss kreieren, um ihre Dörfer dann abends zu verlassen, zu den Flüchtlingslagern zu wandern und dort die am Tage ausgeteilten Hilfsgüter zu erhalten, und diese dann zu ihren Familien ins Dorf zurückbringen. Das war kein Einzelfall. Es entstanden viele weitere Probleme.

Wenn dieser Konflikt uns internationale Truppen bringen wird, bedeutet das für uns, dass wir diesen Truppen dienen werden und mit ihnen in Geschäftsbeziehungen treten. Gleichzeitig werden sie eine Polizei sein die uns schützen. Und dies ist wiederum ein Grund um den Konflikt auszudehnen.

Wenn eine Krise international wahrgenommen wird, werden die politischen und militärischen Rebellenführer zu Superstars. Sie sprechen und die Welt hört zu. Sie erscheinen als die Führer, die die Unterdrückten und an den Rand gedrängten Menschen verteidigen. Dies ist wieder eine der Versuchungen, die den Konflikt verlängern. Wenn der Konflikt gelöst ist, verlieren sie ihren Berühmtheitsstatus.

Aus all diesen Gründen bin ich der Überzeugung, dass in Situationen wie diesen die beste Lösung ist, den Ort des Geschehens und die Menschen dort in Ruhe zu lassen. Sie werden in der Lage sein, ihre eigenen Probleme zu lösen. Es ist nicht wirklich ein unmöglich zu lösendes Problem dort. Was es gefährlich und komplex gemacht hat ist die Einmischung von externen Mächten. Es wird auch gemutmaßt, dass wegen der Entdeckung der Ölvorkommen in Darfur ein Konflikt zwischen China und USA entfachen wird.

Dann ist es verständlich, dass es internationale Interventionen gibt, die das Feuer des Konfliktes anfachen und schüren. Dies ist wahrlich ein Konflikt zwischen Kolonialenmächten. Also, was muß getan werden? Wenn der Konflikt in Darfur, wegen der Konkurrenz um Einfluss zwischen China und Amerika weiterhin verkompliziert wird, was können wir da tun? Wenn die Major Players mit ihrem ökonomischen Ehrgeiz diejenigen sind, die diese Krise anfachen, was können wir tun? Wenn man China gegen sich hat und die USA, und beide operieren in diesem sensiblen Gebiet, was können unsere Truppen da tun? Zu wem können wir unseren Truppen senden?

Frage: Es gibt großes Interesse von den Zuschauern und den Hörer der BBC zu einigen anderen Sachthemen. Wir hoffen, Ihre Zeit erlaubt es, diese Fragen zu beantworten oder zu kommentieren. Die Erste Frage ist: Sie haben einen Lösungsvorschlag für den israelisch-palästinensischen Konflikt vorgelegt. Wie glauben Sie kann dieser umgesetzt werden?

Der Revolutionsführer: Dies ist ein chronischer Konflikt. Es ist ein chronisches Leiden dieser Welt. Er hat das Leben in dieser Welt vergiftet. Die palästinensische Frage ist der Grund für die Feindseligkeit zwischen den Arabern und Amerika. Amerika stand immer auf der Seite Israels. Alle friedlichen sowie militärischen Mittel, mit denen versucht wurde den Konflikt zu beenden, sind gescheitert. In aller Aufrichtigkeit; den derzeitig Beteiligten kann man nicht trauen, da sie kein wirkliches Interesse an der Gesamtsituation haben. Zum Beispiel ist mir bekannt, dass ein ehemaliger Präsident Italiens sich folgendermaßen geäußert hat: "Wir suchen nach einer temporäre Lösung für das Jetzt.

Danach kann das ganze Gebiet zur Hölle fahren. Wir sind dafür nicht verantwortlich.

" Eine temporäre Lösung vorzuziehen heißt hier die Symptome der Krankheit zu unterdrücken und Schmerztabletten zu schlucken. Diese Haltung an sich ist schon von extremer Bedenklichkeit. Wenn ein Arzt es vorzieht, Schmerzmittel zu verschreiben anstatt die Krankheit radikal zu bekämpfen, so kann das zum Tode führen.

Schmerzmittel betäuben den Schmerz während die Krankheit den Körper zerfrisst. Wie ich bereits gesagt habe, haben die aktuellen Beteiligten kein echtes Interesse an einer Lösung. Sie mögen ihre eigenen Geschäfts- oder Sicherheitsgründe haben, um jetzt einen Frieden oder etwas ähnliches zu wollen, aber sie haben kein Interesse an einer wirklichen Lösung. Manch einer in der Region möchte seine Macht festigen. Sie geben vor, sich um eine Lösung des Problems zu bemühen, damit sie als Stabilisierungsfaktoren betrachtet werden, die nicht fallen dürfen.

Und so bleibt einer an der Macht um seine eigenen Interessen zu verfolgen und nicht solche, die eine Lösung bringen könnten. Man hört manche sagen, dass wir die Menschen dazu ermutigen sollen, ihn wiederzuwählen. Es wird behauptet, dass einige an der Macht festhalten, weil sie den Interessen der USA dienen, oder andere sagen, den Israelischen Interessen, während wiederum andere einfach weitermachen, da sie wissen, wie man seine Stimme platziert. Wie Sie sehen, sind dies alles persönliche und eigennützige Gründe. Nehmen wir irgendeinen US-Präsidenten als Beispiel.

Wann immer sich ein solcher entschieden hat, mit dieser Frage umzugehen, so war es immer aus rein wahlstrategischen Gründen. Wenn er, wie der augenblickliche Präsident, nicht wiedergewählt werden kann, dann agiert er zumindest für seine Partei. Diese wird dann versuchen die Amerikaner davon zu überzeugen, daß - wenn sie die Republikanische Partei zu wählen - dies helfen könnte, die Frage des Nahen Ostens zu lösen.

Was auch immer getan wird, wird bestimmt nicht im Interesse des Nahen Ostens, der Israelis oder der Palästinenser getan, sondern im Interesse einer politischen Partei oder eines Politikers. Jeder beutet diese Frage aus. Es ist eine gewisse Art von Erpressung. Das ist das Problem mit den derzeitigen Drahtziehern.

Ich habe kein persönliches Interesse an der Lösung. Ich muss weder die Stiefel der Amerikaner, der Israelis, der Palästinenser noch irgendeiner anderen Gruppe lecken. Sie können weder mich noch meine Partei wiederwählen, und ich habe keinerlei Bedürfnis, mich zu vermarkten. Nachdem ich mich aber mit diesem Problem auseinandergesetzt habe, schrieb ich mein Weißes Buch "Isratina", d.h. ein Staat bestehend aus Israel und Palästina. Die Lösung, die dieses Buch anbietet, ist sehr überzeugend. Sie beinhaltet Meinungen und Standpunkte vieler palästinensischer und israelischer Persönlichkeiten. Einige der zionistischen Führer und Staatsgründer Israels glauben, dass die gegenwärtige Situation einer Grabesruhe gleichkommt und nichts gelöst wird. Die Palästinenser haben eine ähnliche Einschätzung. Internationale Großmächte teilen deren Ansicht. Die ultimativ korrekte historische Lösung ist die eines einzelnen Staates für Palästinenser und Israelis. Die Konstituierung dieses demokratischen Staates sollte unter UN-Aufsicht stattfinden.

Die Wahlen sollten ebenfalls unter UN-Aufsicht durchgeführt werden. Wir müssen uns vom Rassismus befreien. Es sollte bedeutungslos sein, ob es ein Palästinenser oder ein Israeli ist, der gewählt wird. Sie sind letztendlich alle Semiten. Araber und Israelis sind Cousins. Die Israelis können nirgendwo anders hin. Sie wurden von überall auf der Welt vertrieben. Wenn sie sich entschieden haben in dieser Region für immer leben zu wollen, müssen sie in Frieden und Harmonie mit ihrer Umwelt leben. Sie sollten keine Aggressionsmacht sein. Amerika wird sie nicht für immer beschützen können. Niemand kann sie für immer schützen. Eines Tages werden sie sich allein, ohne den Schutzschild Amerika wiederfinden. Es wäre in ihrem eigenen Interesse die andere Gruppe zu akzeptieren und eine Integrationsebene zu finden. Wie kann das passieren? Nur wenn ein einzelner Staat besteht.

Von einem „reinen“ israelischen Staat zu sprechen, mit einer einzelnen Religion, Sprache und Rasse, ist ein ausgrenzender und reaktionärer Ansatz.

Es ist als würde man mit einer Hand voll Staub weit ins Meer hinausgehen und hoffen, dass der Staub nicht nass wird. Das ist unmöglich. Israel lebt in einem Meer von Arabern. Wie kann es da seine Reinheit bewahren? Über eine Millionen Araber leben im Augenblick in Israel. In wenigen Jahren werden es zwei oder drei Millionen sein. Soviel zur Ideologie der Reinheit. Wenn ein palästinensischer Staat auf der Westbank gegründet werden würde, wäre der israelische Staat an dieser Stelle nur noch 14 km breit. Jede zukünftige Militäroperation würde es mühelos in zwei Hälften spalten.

Dieses sind nicht nur meine Worte, sondern die Worte der zionistischen Führer, die Israel gegründet haben. Sie sind davon überzeugt, daß sie einen Staat im Krater eines Vulkans gegründet haben. Dieser kann nicht überleben. Das Problem besteht darin, dass hier zwei Parteien um dasselbe Stück Land mit Namen Palästina kämpfen. Wenn sich eine Partei dieses Stück Land nimmt und einseitig die Gründung ihres eigenen Staates deklariert, würde dies Unruhe heraufbeschwören.

Nun sind da diese zwei Parteien. Sie müssen eine Übereinstimmung finden, oder es wird ein ewiger Disput bleiben. Das ist was bisher geschah, und das ist der Grund dafür, dass die Araber die Zwangsenteignung vom ganzen Palästina durch die Israelis weder hingenommen noch akzeptiert haben. Nehmen wir uns einem andren Beispiel an: der Türkei. Als die Türkische Republik Nordzypern gegründet wurde, wurde sie von keinem anderen Staat außer der Türkei anerkannt. Warum? Weil Zypern den Zyprioten, den Türken und den Griechen gleichermaßen gehört. Palästina muss genauso allen seinen Bewohnern gehören, ob Palästinenser, israelische Juden, arabische Moslems, oder Christen. Es gehört ihnen allen.

Dieses Land kann nicht unterteilt werden. Der Landesteil zwischen dem Fluss und dem Meer ist viel zu klein für die Gründung zweier Staaten. Es gibt ungefähr 12 Millionen jüdische Menschen auf der Welt. Stellen wir uns vor, alle diese 12 Millionen Menschen würden heute in das Landkommen welches „Israel“ genannt wird ? Es leben fünf Millionen Palästinenser in Diaspora. Falls all diese zurückkehren würde sich die Anzahl der Palästinenser auf ungefähr sieben Millionen Menschen erhöhen. Wie kann eine so große Anzahl von Menschen auf diesem winzigen Stück Land in zwei Staaten leben? Das ist einfach unmöglich.

Isratina besteht bereits. Die Westbank beinhaltet beides; palästinensischen Städte und israelische Siedlungen. Sie leben so zusammengewürfelt nebeneinander. In dem Staat, der heute Israel heißt, leben eine Million Palästinenser, die israelische Staatsbürger sind und neben Israelis wohnen. Die palästinensischen Arbeiter sind diejenigen, welche die israelischen Fabriken am Laufen halten. Die Arbeiter aus Gaza und der Westbank arbeiten in Israel seit 1948. Beide Gruppen sind voneinander total abhängig - was die Bereiche Güter, Dienstleistung und Sicherheit angeht. Sie sind einander näher als irgendeinem von uns. Die Lösung ist die Gründung eines einzelnen Staates für beide Parteien.

Wir müssen uns von der Kultur des religiösen, sprachlichen und ethnischen Rassismus befreien. Dies ist die Kultur der alten Wächter. Aber die Jugendlichen in Israel und Palästina wollen Frieden, wollen einen einzigen Staat, wollen reisen, Geschäfte machen, wollen ein normales Leben führen. Das ist es, was sie wollen. Und das ist was das Weiße Buch zur Diskussion stellt, und die Lösung darstellt. Ich bin sicher dass sich diese Lösung von selbst ergeben wird, da sie nicht egoistischen Interessen entspringt, wie jene Vorschläge der derzeitig Involvierten, welche die Menschen belügen und betrügen. Ich tue das nicht.

Frage: Eure Exzellenz, geben Sie uns bitte eine direkte Antwort auf diese Frage. Ägypten und Jordanien haben mit Israel diplomatische Beziehungen aufgebaut. Auch Yasser Arafat hat solche Beziehungen aufgenommen im Namen der Palästinenser. Sie haben keine Probleme mit Israel. Warum gibt es denn keine diplomatischen Beziehungen zwischen Libyen und Israel?

Der Revolutionsführer: Diese Frage zäumt das Pferd von Hinten auf. Es geht hier nicht um diplomatische Beziehungen, sondern um die Lösung eines Problems. Anstatt einen Weg zu finden, das Problem zu lösen, fragen Sie nach der Anerkennung. Das ist wie jemandem rohes Fleisch vorzusetzen, um ihn dann zu fragen, warum er es nicht isst. Die Frage sollte sein: Warum wurde das Fleisch vorher nicht gekocht, wie es sich gehört? Und dann könnte man darüber sprechen, warum es nicht gegessen wird. Was ich damit sagen will ist, dass die Reihenfolge der Prioritäten folgende sein sollten: Erst muß das Problem gelöst werden, dann können wir über die Anerkennung reden.

Ohne eine solche Lösung glaube ich nicht, dass einen Ort gibt, an dem eine Anerkennung in Betracht gezogen werden könnte.

Ich bin Ihnen sehr dankbar, der Universität von Oxford, dem Studentenwerk, dem Übersetzter und dem Rundfunksprecher. Ich danke Ihnen allen, ich bin gerne bereit, wenn es die Zeit erlaubt, weitere Zusammentreffen wie dieses hier mit Ihnen zu haben. Ich glaube dieser Gedankenaustausch war extrem wichtig.

Frage: Sie sind ein Mann mit einer klaren politischen Vision und Weisheit. Welchen Rat würden Sie den Führern im Iran und in den USA geben, um das Problem zwischen den beiden Ländern anzusprechen?

Wenn Irans Nuklearprogramm für friedlichen Absichten genutzt wird, dann verstehe ich nicht warum irgendjemand etwas zu beanstanden haben sollte. Ich glaube niemand hat dieses Recht das zu tun. Was ist hier jedoch die wirkliche Frage? Ist es die Prävention vor der Verbreitung von Nuklearwaffen, oder dass unterbunden werden soll, dass die Länder der dritten Welt die Atomkraft für sich nutzen?

Iran steht auf dem Standpunkt, dass wenn man ihnen das Recht abspricht, die Atomkraft für friedlichen Zwecke zu nutzen, ist das gleichbedeutend damit, ihnen das Recht abzusprechen für jegliche Entwicklung, ihnen und allen Entwicklungsländern und Ländern der dritten Welt. Sie fragen, wie könnt ihr uns das Recht nehmen Uran anzureichern. Wenn die Anreicherung auf friedlichen Zwecken beruht, dann kann auch niemand etwas gegen das Iranische Programm einwenden.

Wenn es jedoch militärischen Zwecken dient, könnte Iran sagen, dass es bereit sei, sein Atomprogramm aufzugeben, jedoch nur wenn alle anderen Länder, nicht nur Libyen, dasselbe tun. Die Herstellung von Atomwaffen geht unvermindert weiter. Im Nahen Osten, in Dimona gibt es ein riesiges Arsenal von Massenvernichtungswaffen. Pakistan hat Atomwaffen. Indien ebenso. China ist eine Nuklearmacht, Russland ist eine nukleare Supermacht. All diese Länder sind dem Iran geographisch nahe, und Iran fragt sich natürlich, warum sollen wir das einzige Land sein, dem es nicht erlaubt ist diese Waffen herzustellen und zu besitzen? Viele andere Völker, darunter auch die Araber, stellen dieselbe Frage.

Zum Beispiel könnten die Ägypter nun sagen, wenn es den Israelis erlaubt ist, Atomwaffen und Missiles zu haben, und Iran sich im Herstellungsprozeß befindet, warum sollten wir nicht das gleiche Recht haben? Syrien könnte dasselbe sagen.

Wenn die Frage sich aber auf Massenvernichtungswaffen bezieht, dann, wie ich bereits gesagt habe, kann Iran argumentieren, dass es sein Programm erst aufgeben wird, wenn sämtliche militärische Atomprogramme beendet werden, und wenn alle Atomwaffen abgerüstet werden.

Andererseits hat Iran bisher nicht zugegeben, dass es ein Programm für militärische Zwecke hat. Iran sagt, sein Programm sei ausschließlich für friedlichen Zwecke, und darum habe niemand das Recht, zu fordern es zu beenden. Vielen Dank. Mit dieser Antwort bringe ich unseren Gedankenaustausch zum Ende.

Im Namen von allen Anwesenden hier in der Oxford Universität, danke ich Ihnen, Bruder und Führer, für Ihre Zeit, Ihren Beitrag und Ihre Antworten

 


Comments

11/26/2016 8:09am

waqt

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11/28/2016 9:48am

I hope everyone will find it interesting and informative to read about Al Gaddafi because he was a great leader of his time. There are large number of books of history through which we can read his biography but this article has its own importance. So guys go through this article carefully and keep it in mind as well.

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